Wer war Correggio

Correggio arbeitete abseits der großen Kunstzentren wie Florenz, Rom und Venedig. Dennoch wurde er bereits ab dem 16. Jahrhundert neben Raffael, Leonardo, Michelangelo und Tizian zu den großen Neueren der Malerei gerechnet.

“Unter den Meistern dieser Gegend ragte Antonio aus Correggio durch seine seltenen Begabungen hervor. Er eignete sich den modernen Stil mit solcher Vollkommenheit an, dass er [...] innerhalb weniger Jahre zu einem bewundernswerten Künstler wurde.”  

Giorgio Vasari

Die Anfänge

Wenig ist über sein Leben bekannt, das erstmals von Vasari (1511-1574), selbst Künstler und Schriftsteller, in einer kurzen Biografie beschrieben wurde. Aber auch er kannte keinen Lehrmeister. Seine frühen Werke zeigen Einflüsse von Künstlern wie Andra Mantegna und Leonardo da Vinci.

David vor der Bundeslade (Detail), Privatsammlung

Madonna mit Jesus und Johannes dem Täufer, ca. 1516. Madrid, Prado

Der erste Auftrag

Bereits um 1514 erhielt er einen wichtigen Auftrag für ein Altarbild im Franziskanerkloster seiner Heimatstadt, die sogenannte „Madonna des heiligen Franziskus“, die sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet. Dieses Werk zeigt Correggio an der Schwelle zu einer eigenen Kunstform: Noch ist die Komposition der Hochrenaissance verpflichtet, doch die Figuren besitzen schon jene lebendige Wärme, die seine reifen Arbeiten auszeichnet. 

Die Kunst der Illusion

Spätestens um 1516 war er in Parma tätig. Dort erhielt er den Auftrag in Parma, die  Camera di San Paolo auszumalen, das Privatgemach der Äbtissin Giovanna da Piacenza im Benediktinerinnenkloster San Paolo. Das Gewölbe verwandelt sich in eine Laube, deren ovale Öffnungen den Blick in einen hellen Himmel freigeben.

Die Camera di San Paolo zeigt ein zentrales Anliegen von Correggios Kunst: Er will die Grenze zwischen realem und gemaltem Raum aufheben. Das Auge soll nicht vor einem Bild stehen bleiben, sondern durch es hindurchgehen. 

Die großen Fresken

Es folgte der Auftrag für die Benediktinerkirche San Giovanni Evangelista in Parma. Zwischen etwa 1520 und 1524 malte Correggio dort die Kuppel mit der „Vision des heiligen Johannes auf Patmos“. Der Evangelist erscheint am unteren Rand, während sich über ihm Christus in einer himmlischen Sphäre offenbart. Die Komposition ist kühn: Die Figuren sind nicht mehr statisch in architektonische Felder eingefügt, sondern scheinen in einer kreisenden Bewegung durch den Raum zu schweben. Der Betrachter steht unter einem geöffneten Himmel, in dem göttliche Erscheinung, Licht und Bewegung untrennbar werden. 

Correggios berühmtester Auftrag war die Ausmalung der Domkuppel von Parma mit der „Himmelfahrt Mariens“, die um 1526 begonnen und um 1530 vollendet wurde. Hier steigerte er alles, was er zuvor erprobt hatte, zu einem grandiosen Ereignis. Maria wird nicht in ruhiger Feierlichkeit emporgetragen, sondern in einem Wirbel aus Aposteln, Engeln, Heiligen und Licht nach oben gerissen. Die Kuppel wird zur Öffnung des Himmels, der Kirchenraum zum Schauplatz einer Bewegung, die über die Architektur hinausdrängt. Revolutionär ist die Perspektive. Correggio nutzt starke Verkürzungen, überlagerte Körper und eine spiralförmige Komposition, um Tiefe und Aufstieg zu erzeugen. 

Religion und Mythologie

Neben den Fresken schuf Correggio bedeutende Tafelbilder. Seine Madonnen und Heiligendarstellungen zeichnen sich durch zarte Körperlichkeit, weiche Übergänge und eine beinahe intime Atmosphäre aus. 

In seinen späten mythologischen Gemälden schuf Correggio eine bis dahin unbekannte Sinnlichkeit. Diese Werke entstanden vermutlich im Umfeld höfischer Aufträge und zeigen, wie frei er mit antiken Stoffen umgehen konnte. Licht, Haut, Wolken und Bewegung verschmelzen zu einer Malerei von großer atmosphärischer Dichte. 

Venus mit Merkur und Amor, um 1525. London, National Gallery

Beweinung Christi, um 1524,  Parma Galleria Nazionale

Leda und der Schwan, ca. 1532, Berlin, Gemäldegalerie

Correggios Ende

Correggio starb am 5. März 1534 in seiner Heimatstadt. Er war kaum Mitte vierzig. Dennoch war sein Einfluss war weitreichend. Parmigianino und andere Maler des Manierismus, auch die Maler des Barock und Rokoko fanden in seiner Kunst der Illusion und der sinnlichen Wiedergabe religiöser Motive Inspiration für ihre eigenen Werke.

Führungen

Sie interessieren sich für Correggio und die Sonderausstellung in Dresden? Nutzen Sie einfach unser Kontaktformular.