Zu Lebzeiten ebenso geschätzt wie kritisiert ist Rembrandt heute... Die GAM besitzt eine spannende, abwechslungsreiche Sammlung

Rembrandt in Amsterdam

1606

Rembrandt wird in Leiden als Sohn eines Müllers geboren. Er geht an die Lateinschule und schreibt sich für kurze Zeit an der Universität ein.

 1625

Nach einer Lehre in Leiden und Amsterdam teilt er mit Jan Lievens ein Atelier in seiner Heimarstadt.

1631

Rembrandt zieht nach Amsterdam. Er arbeitet für den Kunsthändler von Uylenburg und macht sich 1635 selbständig.

 1638

Rembrandt kauft ein großes Haus. Die Geschäfte gehen gut. 

1656

Rembrandt erklärt Privatinsolvenz. Er verkauft sein Haus und seine Kunstsammlung und zieht in ein kleines Haus an der Rozengracht.

1669

Rembrandt stirbt und wird in der Oude Kerk begraben. Sein Sohn und Hendrikje Stoffels...

Die glücklichen Jahre

Rembrandts Leben und Karriere nimmt schnell Fahrt auf in Amsterdam. Er heiratet 1634 Saskia van Uylenburg, Tochter einer wohlhabenden Bürgermeisterfamilie aus Leeuwaarden, wird Meister der Lukasgilde und beginnt als selbständiger Künstler. Die Amsterdamer Patrizier sind von seinen Porträts begeistert, er verkauft zahlreiche Historienbilder und kann sch schließlich ein großes Haus in der Jodenbreestraat leisten. 1638 zieht er ein und macht es zum Zentrum seiner Kunst... Während er arbeitet, leitet Saskia den Haushalt und empfängt die Gäste. Titus... Das Glück hält aber nur wenige Jahre. Saskia erkrankt und stirbt 1642. Im gleichen Jahr beendet er Die Nachtwache. Licht und Schatten liegen eng zusammen. In diesen Jahren entstehen die Dresdner Gemälde. 

1633

Rembrandt lernt seine Frau kennen... Sie war nicht nur die Tochter eines Bürgermeisters und bringt eine reiche Mitgift in die Ehe ein. Sie war auch die Nichte des wichtigsten niederländischen Kunsthändlers des 17. Jahrhunderts.  Sie brachte also Geld, Kontakte und sozialen Prestige in die Ehe ein. Daneben eine Liebesbeziehung

Rembrandt stellt sie häufig dar. Er nutzt sie als Modell oder - wie hier - als "tronie".  Ein "tronie" (wörtlich Gesicht) ist eine Art Porträt, das dem Künstler zugleich als Experimentierfeld dienen kann, für den Ausdruck von Licht und Schatten oder der Darstellung von Gefühlen. Dieses schelmische Grinsen...

Rembrandt, Saskia van Uylenburgh als Mädchen, 1633. Öl auf Eichenholz, Gemäldegalerie Alte Meister (ausgestellt).

1635

Ein Jahr voller Kontraste. Das junge Paar lebt noch beim Kunsthändler, der erste Sohn Rombertus stirbt bereits nach wenigen Monaten. Gleichzeitig arbeitet Rembrandt an einigen seiner ambitioniertesten Werken. Er möchte sich nicht nur als hervorragender Porträtist einen Namen machen, sondern auch zeigen, dass er als Historienmaler mit den besten Künstlern seiner Zeit konkurrieren kann. In dieser Zeit entstehen auch zwei der bekanntesten Bilder in der Gemäldegalerie.

Porträt mit Ambition

Rembrandt und Saskia - ja. Aber auch ein biblisches Gleichnis. Verschmelzung von Porträt und Sinnbild.

Rembrandt, Rembrandt und Saskia im Gleichnis des Verlorenen Sohns, um 1635. Öl auf Leinwand, Gemäldegalerie Alte Meister (ausgestellt).

Der erste Ketzer in der Malerei

Rembrandt hat zahlreiche Auftraggeber und Sammler. Aber auch Kritiker, von Anfang an. Huygens bis Pels und Lairesse. Man kritisiert die dunklen Farben, den kräftige Pinsel, die Heftigkeit der Emotion und vor allem die Hässlichkeit der Menschen.

Was ist Schönheit?

1638

Rembrandts Frau Saskia stammte aus einer sehr wohlhabenden friesischen Patrizierfamilie. Deren Verwandte warfen dem Paar vor, auf zu großem Fuß zu leben und das Erbe zu vergeuden. Rembrandt wehrte sich gerichtlich gegen diese Verleumdung, verlor jedoch den Prozess. Gleichzeitig künstlerisch sehr erfolgreich. Es entsteht eines der anspruchvollsten Historiengemälde, das Dresdener "Simson".

Geschichte erzählen

Rembrandt, Simson an der Hochzeitstafel das Rätsel aufgebend, 1638. Öl auf Leinwand, Gemäldegalerie Alte Meister (ausgestellt).

Wie erzählt man eine Geschichte?

1641

In Rembrandts neuem Haus... Nach zwei gestorbenen Kindern, bringt Saskia Titus zur Welt. Rembrandt beginnt die Nachtwache, andere wichtigen Arbeiten. Und er malt eines der schönsten Porträts seiner Frau, das sich in Dresden befindet.

Sie brachte also Geld, Kontakte und sozialen Prestige in die Ehe ein. Daneben eine Liebesbeziehung. So inszeniert es Rembrandt  hier. Saskia mit einer Blume, die Liebe symbolisiert und dem Gegenüber überreicht wird.

Rembrandt, Saskia mit der roten Blume, 1641. Öl auf Eichenholz, Gemäldegalerie Alte Meister (ausgestellt).

1642

Rembrandts glückliche Jahre gehen vorbei. 1642 stirbt Saskia stirbt. Sie hinterlässt ihr Erbe dem gemeinsamen Sohn, insofern sich Rembrandt noch einmal verheiratet... Ab 1655 nimmt der Kunstmarkt an Dynamik ab, Kriege mit England leiten wirtschaftliche Krise ein. In der Folge wollen seine Gläubiger ihr Geld zurück, Rembrandt wird bankrott und muss in ein kleines Haus in einer wenig attraktiven Gegend Amsterdams umziehen. Auch der Geschmack der Elite ändert sich. Sie möchte Bilder wie in Italien und Frankreich und bevorzugen andere Künstler. Rembrandt stirbt weitgehend mittellos. Er hinterlässt einen Sohn und seine langjährige Lebensgefährtin, die kurz nach ihm verstirbt. Auch Titus wird nicht alt. Er stirbt bereits...

Text...

 

Die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden bewahrt eine kleine, aber außergewöhnlich konzentrierte Gruppe von Gemälden Rembrandts. Gerade weil hier Porträt, Selbstbildnis, biblische Historie und mythologische Erzählung in engem zeitlichem Zusammenhang nebeneinander sichtbar werden, lässt sich an ihnen eine entscheidende Phase von Rembrandts künstlerischer Entwicklung nachvollziehen: der Übergang vom gefeierten Leidener und Amsterdamer Porträtisten zum Maler großer, psychologisch zugespitzter Historienbilder.

1. Chronologischer Lebenslauf: Leben und Werk im Überblick

Rembrandt Harmensz. van Rijn wurde 1606 in Leiden als Sohn eines Müllers geboren. Nach einer humanistischen Schulausbildung und kurzer Einschreibung an der Universität Leiden entschied er sich für die Malerei. Seine frühe Ausbildung erhielt er bei Jacob van Swanenburgh; prägend wurde anschließend ein kurzer Aufenthalt bei Pieter Lastman in Amsterdam, der ihn mit der Historienmalerei und mit dramatischer Erzählweise vertraut machte.

In den späten 1620er Jahren arbeitete Rembrandt wieder in Leiden, zeitweise in enger künstlerischer Nachbarschaft zu Jan Lievens. In dieser Phase entwickelte er die für ihn charakteristische Verbindung aus Hell-Dunkel, physiognomischer Beobachtung und erzählerischer Verdichtung. Er malte kleine Historienbilder, Studienköpfe und frühe Selbstbildnisse, in denen er Licht, Ausdruck und Kostüm als Mittel der Rolleninszenierung erprobte.

Um 1631/32 verlagerte Rembrandt seine Tätigkeit nach Amsterdam. Dort arbeitete er mit dem Kunsthändler Hendrick Uylenburgh zusammen und wurde rasch zu einem der gefragtesten Porträtisten der Stadt. Der Erfolg der „Anatomie des Dr. Tulp“ von 1632 machte ihn weithin bekannt: Das Gruppenbild verband bürgerliches Repräsentationsbedürfnis mit dramatischer Konzentration und zeigte, dass Rembrandt Porträt und Historie neu zusammendenken konnte.

1633 verlobte sich Rembrandt mit Saskia van Uylenburgh, der Cousine seines Geschäftspartners; 1634 heirateten beide. Die Jahre danach waren künstlerisch außerordentlich produktiv. Rembrandt schuf Porträts, Selbstbildnisse, Radierungen und ambitionierte Historienbilder. Gleichzeitig nutzte er Kostüme, exotische Stoffe und theatralische Gesten, um Figuren zwischen Gegenwart, Bibel, Mythos und persönlichem Leben schweben zu lassen.

Die 1640er Jahre brachten Höhepunkt und Krise. 1642 vollendete Rembrandt die „Nachtwache“, eines seiner berühmtesten Werke; im selben Jahr starb Saskia nach längerer Krankheit. Das Ereignis markierte einen tiefen Einschnitt. In den folgenden Jahrzehnten wurden Rembrandts Bilder freier, dunkler, innerlicher und oft weniger an glatte Repräsentation gebunden. Zugleich verschlechterte sich seine wirtschaftliche Lage, bis er 1656 zahlungsunfähig wurde.

Rembrandts Spätwerk ist geprägt von einer radikalen Konzentration auf Licht, Oberfläche und seelische Gegenwart. Werke wie die späten Selbstbildnisse, religiöse Szenen und Porträts verzichten zunehmend auf äußerlichen Glanz und suchen Würde in Alter, Verletzlichkeit und Erfahrung. Rembrandt starb 1669 in Amsterdam. Sein Werk wurde schon früh bewundert und kritisiert; heute gilt er als einer der bedeutendsten Maler und Radierer der europäischen Kunstgeschichte.

2. Die Jahre 1633 bis 1641: Aufstieg, Ehe, Experiment und Ambition

Die Jahre 1633 bis 1641 bilden eine der wichtigsten Phasen in Rembrandts Leben. 1633 war er Anfang zwanzig, aber bereits auf dem Weg zum Amsterdamer Ruhm. Die Verlobung mit Saskia van Uylenburgh verband ihn nicht nur persönlich mit einer wohlhabenden und angesehenen Familie, sondern auch mit dem Kunstmarkt und den sozialen Kreisen, in denen seine Porträts gefragt waren. Saskia wurde für ihn Modell, Muse und Bildfigur; in ihren Darstellungen verschmelzen persönliche Nähe und künstlerische Inszenierung.

In diesen Jahren experimentierte Rembrandt mit Identität und Rollen. Er malte sich selbst als Soldat, orientalisch kostümierte Figur, lachenden Zecher oder biblischen Sünder. Diese Selbstbilder waren keine bloßen Abbilder, sondern künstlerische Versuchsanordnungen: Rembrandt prüfte, wie Mimik, Kostüm, Licht und Gestus eine Erzählung erzeugen. Auch die Dresdner Werke zeigen diese Lust an Verwandlung und Mehrdeutigkeit.

Zugleich verschob sich Rembrandts Anspruch von der Porträtkunst zur Historienmalerei. In der niederländischen Kunsttheorie galt das Historienbild als höchste Gattung, weil es Erfindung, Komposition, Affektdarstellung und gelehrte Bildung verlangte. Rembrandt nahm diese Herausforderung auf, aber nicht im Sinne klassischer Idealschönheit. Er suchte die Wahrheit des Augenblicks: Schrecken, Gelächter, Begehren, Scham, Überraschung und Trauer sollten körperlich erfahrbar werden.

Die Jahre 1633 bis 1641 waren auch privat von Spannung geprägt. Rembrandt und Saskia erlebten gesellschaftlichen Aufstieg, Wohlstand und künstlerische Produktivität, aber auch familiäre Verluste und gesundheitliche Belastungen. Mehrere Kinder des Paares starben früh; nur Titus, geboren 1641, überlebte das Kindesalter. Im selben Jahr entstand Saskias spätes Dresdner Porträt mit der roten Blume. Es steht damit am Ende einer Phase, in der Rembrandts Kunst noch voller äußerer Pracht ist, zugleich aber bereits eine tiefere Verletzlichkeit erkennen lässt.

3. Die Dresdner Gemälde von 1633 bis 1641 in chronologischer Reihenfolge

1633: „Saskia van Uylenburgh als Mädchen“

Das Dresdner Bild „Saskia van Uylenburgh als Mädchen“ entstand 1633, im Jahr der Verlobung Rembrandts mit Saskia. Es zeigt die junge Frau mit federgeschmücktem Hut, kostbarem Gewand und einem unmittelbaren, fast koketten Blick. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden beschreiben besonders die freie Pinselführung, die tiefen kontrastierenden Farben und das raffinierte Spiel von Licht und Schatten, die Rembrandt bereits in diesem Frühwerk als souveränen Künstler zeigen.

Bildanalyse und Biografie greifen hier unmittelbar ineinander. Saskia erscheint nicht als nüchternes bürgerliches Porträt, sondern als kostümierte Erscheinung zwischen Wirklichkeit und Theater. Rembrandt verwandelt die Verlobte in eine Kunstfigur, ohne ihre Lebendigkeit zu verlieren. Damit steht das Bild neben seinen frühen Selbstbildnissen: Wie er sich selbst in wechselnden Rollen erprobte, so setzt er auch Saskia als Trägerin von Glanz, Nähe und erzählerischem Versprechen ein.

1633: „Bildnis des Willem Burchgraeff“ und Werkstattzusammenhang

Zu den Dresdner Rembrandt-Zusammenhängen des Jahres 1633 gehört auch das „Bildnis des Willem Burchgraeff“, das mit Rembrandt und seiner Werkstatt verbunden wird. Es gehört in den Kontext des Amsterdamer Porträtmarkts, auf dem Rembrandt nach seinem Durchbruch rasch erfolgreich wurde. Solche Porträts verlangten Ähnlichkeit und Statusdarstellung, doch Rembrandt interessierte sich darüber hinaus für Stofflichkeit, Lichtführung und psychologische Präsenz.

Gerade der Werkstattbezug ist kunsthistorisch aufschlussreich. Rembrandts Erfolg beruhte nicht allein auf individueller Genialität, sondern auch auf einem produktiven Atelierbetrieb, in dem Auftragsporträts, Studien und Varianten entstanden. Das Dresdner Bild erinnert daran, dass die Jahre um 1633 für Rembrandt eine Phase professioneller Expansion waren: Er wurde zur Marke, deren Stil von Mitarbeitern aufgenommen und verbreitet wurde.

1635: „Die Entführung des Ganymed“

Mit der „Entführung des Ganymed“ wendet sich Rembrandt der Mythologie zu, aber auf eine höchst unklassische Weise. Der schöne trojanische Knabe, den Zeus in Gestalt eines Adlers in den Olymp entführt, erscheint nicht als idealisierter Jüngling, sondern als schreiendes, urinierendes Kind. Rembrandt bricht damit bewusst mit der Erwartung antiker Schönheit und macht aus dem Mythos eine Szene körperlicher Angst.

Die Bildidee passt in Rembrandts künstlerisches Programm der 1630er Jahre: Affekte sollen nicht nur dargestellt, sondern provoziert werden. Das Bild steht in der Nähe seiner Studien schreiender, lachender oder erschrockener Gesichter und zugleich im Gegensatz zu klassizistischen Idealen. In biografischer Hinsicht fällt es in eine Zeit des Aufstiegs, in der Rembrandt sich offenbar sicher genug fühlte, Erwartungen herauszufordern. Die Dresdner Galerie bewahrt damit eines der radikalsten Beispiele seiner anti-idealisierenden Historienmalerei.

Das Verhältnis Rembrandts zu Peter Paul Rubens ist dabei besonders aufschlussreich. Rubens verkörperte für die Maler des 17. Jahrhunderts die große, international erfolgreiche barocke Historienmalerei: kraftvolle Körper, gelehrte Antikenbezüge, bewegte Diagonalen und eine glanzvolle Verbindung von Mythos, Pathos und Sinnlichkeit. Rembrandt kannte diese Bildwelt und setzte sich mit ihr auseinander, übernahm aber nicht einfach ihre Ideale. Er reagierte auf Rubens vielmehr durch Zuspitzung und Umkehrung: Aus dem schönen, heroisch bewegten Ganymed wird bei ihm ein schweres, verängstigtes Kind, aus der eleganten Apotheose eine gewaltsame Entführung.

Gerade im Vergleich mit Rubens wird deutlich, wie radikal Rembrandts Dresdner „Ganymed“ ist. Rubens’ Darstellungen des Mythos bleiben dem klassischen Ideal des schönen Jünglings und der rhetorisch gesteigerten Bewegung verpflichtet; das Prado verzeichnet etwa Rubens’ „Raub des Ganymed“ als Werk von 1636 bis 1638 für die Torre de la Parada und betont den Bezug auf Ovid, die aufsteigende Diagonalkomposition und die Anlehnung an antike Skulptur. Rembrandt dagegen verweigert dem Mythos jede glatte Erhebung. Er macht den Raub körperlich, peinlich und komisch-schrecklich: Das Kind schreit, strampelt und uriniert vor Angst. Damit antwortet Rembrandt auf Rubens nicht mit geringerer Ambition, sondern mit einer anderen Vorstellung von Wahrheit. Historienmalerei soll bei ihm nicht nur Größe zeigen, sondern auch die verletzliche, ungeordnete Wirklichkeit des Affekts.

1636: „Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn“

Das Gemälde „Rembrandt und Saskia im Gleichnis vom verlorenen Sohn“ verbindet Selbstbildnis, Ehebild und biblische Erzählung. Rembrandt zeigt sich als lachender Zecher, Saskia sitzt auf seinem Schoß; der erhobene Pokal, die kostbaren Stoffe und die theatralische Geste deuten auf Überfluss und Vergnügen. Zugleich verweist der Titel auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn, also auf Verschwendung, Umkehr und moralische Ambivalenz.

Das Bild ist deshalb mehr als eine private Feier der Ehe. Rembrandt inszeniert sich selbst in einer Rolle, die zugleich verführerisch und fragwürdig ist. In dieser Selbstverkleidung berührt sich das Werk mit seinen vielen Selbstbildnissen der 1630er Jahre, in denen er Identität als Spiel und Prüfung begreift. Saskia wird nicht nur Begleiterin, sondern Teil einer moralischen Bühne. Das persönliche Glück des jungen Ehepaars erscheint im Spiegel einer biblischen Geschichte, die bereits den Gedanken von Verlust und Rückkehr enthält.

1638: „Simsons Hochzeit“

„Simsons Hochzeit“ gehört zu Rembrandts ambitioniertesten Historienbildern der 1630er Jahre. Das Werk zeigt den Moment, in dem Simson bei der Hochzeitstafel sein Rätsel aufgibt. Rembrandt verbindet erzählerische Dichte mit einer reichen Figurenkomposition: Fest, Spannung, Blickwechsel und verborgenes Wissen überlagern sich. Die Szene ist nicht als ideale Antike gedacht, sondern als lebendige, vielstimmige Gesellschaft.

In diesem Bild zeigt sich Rembrandts Anspruch, mit der großen europäischen Historienmalerei zu konkurrieren. Er kannte Vorbilder aus Italien und von Rubens, doch er übersetzte sie in eine niederländische Sprache der Nähe, des Lichts und der individuellen Reaktion. Biografisch fällt das Werk in eine Phase äußerster Produktivität und Selbstgewissheit. Im Vergleich zur „Entführung des Ganymed“ ist die Provokation weniger drastisch, aber ebenso grundsätzlich: Rembrandt interessiert nicht das schöne Schema, sondern der konfliktreiche Augenblick.

1641: „Saskia mit der roten Blume“

Das Porträt „Saskia mit der roten Blume“ von 1641 steht am Ende der hier betrachteten Dresdner Werkgruppe. Saskia erscheint kostbar gekleidet, aber der Eindruck ist weniger spielerisch als im Bild von 1633. Die rote Blume lenkt den Blick auf Zartheit, Vergänglichkeit und persönliche Zuwendung. Das Bild entstand in dem Jahr, in dem Titus geboren wurde, und kurz vor Saskias Tod 1642.

Im Vergleich zu „Saskia van Uylenburgh als Mädchen“ wirkt dieses spätere Porträt gesammelter und stiller. Rembrandt verzichtet nicht auf Pracht, doch er verwandelt sie in Nähe. Wenn das frühe Bild die Verlobte als funkelnde Erscheinung zeigt, so zeigt das spätere Bild eine Frau, deren Gegenwart verletzlich geworden ist. Damit verbindet es Rembrandts persönliche Situation mit einer Entwicklung seines Stils: Die äußere Inszenierung bleibt, aber sie wird von innerer Empfindung durchdrungen.

Zusammengenommen zeigen die Dresdner Gemälde von 1633 bis 1641 Rembrandt in einer entscheidenden Lebensphase: als erfolgreichen Porträtisten, als experimentierenden Selbstdarsteller, als Ehemann Saskias und als Historienmaler, der Schönheit, Affekt und Wahrheit neu bestimmt. Gerade die chronologische Betrachtung macht sichtbar, wie eng seine Kunst mit biografischen Erfahrungen verbunden ist, ohne sich auf Biografie reduzieren zu lassen. Dresden besitzt damit keinen bloßen Ausschnitt, sondern ein konzentriertes Panorama von Rembrandts früher Amsterdamer Meisterschaft.