Peter Paul Rubens gehört zu den prägendsten Künstlern des europäischen Barock. Seine Gemälde verbinden dramatische Bewegung, leuchtende Farbigkeit, gelehrte Bildprogramme und eine außergewöhnliche Sinnlichkeit.

Rubens
1577
Rubens wird in Siegen geboren.
1598 beendet er seine Ausbildung und wird Meister in Antwerpen.
1600 reist er nach Italien. Mantua, Genua, Rom.
1608 Rückkehr nach Antwerpen. Zwei Jahre später erwirbt er ein Haus an der Wapper.
1624 in den Adelsstand erhoben, Reise nach Paris, Medici-Galerie.
1630 heiratet er erneut, England etc.
1640 stirbt Rubens in Antwerpen. Er wird in der ... Kirche begraben.
Ein internationaler Skandal
Rubens' Vater Jan war Jurist und Ratsherr in Antwerpen, der sich dem Calvinismus zuwandte und deswegen 1568 mit seiner Familie nach Köln fliehen musste. Dort wurde er Rechtsberater von Anna von Sachsen, der zweiten Ehefrau Wilhelms von Oranien. Ihre Ehe mit Wilhelm war zerrüttet, ihre sächsische Herkunft machte sie zugleich zu einer Figur dynastischer Interessen, und ihre Stellung am nassauischen Hof war zunehmend isoliert.
1571 wurde Jan Rubens wegen einer angeblichen Liebesbeziehung zu Anna verhaftet, die in diesem Jahr eine Tochter gebahr: mit dramatischen Folgen. Im November 1575 beschloss Kurfürst August von Sachsen, der Onkel von Anna, seine zu dieser Zeit auf Schloss Beilstein ebenfalls unter Hausarrest befindliche Nichte, die „Hure des Schöffen“, zurück nach Sachsen zu holen, um sie dort auf Dauer zu „vermauern“, das heißt in vermauerte und vergitterte Gemächer einzusperren. Sie starb in Dresden 1577.
In diesem Jahr wurde Peter Paul Rubens in Siegen geboren. Nach dem Tod des Vaters zog seine Mutter Maria Pypelinckx 1587 mit den Kindern nach Antwerpen zurück. Dort erhielt Rubens eine humanistische Bildung, lernte Latein, antike Literatur und höfische Umgangsformen. Und entschied sich schließlich für die Malerei.
Rubens' Söhne
Rubens heiratet Isabella Brant, nach ihrem Tod Helene Fourment. Sie beziehen ein prächtiges Haus an der Wapper und Schloss Het Steen. Rubens lebt weniger wie ein Maler, sondern eher wie ein Adeliger.
Das Gemälde wird zur Zeit restauriert als Vorbereitung für die große Rubens-Ausstellung 2027.
nach Rubens, Die beiden Söhne des Rubens, um 1627.
Italienische Erfahrungen
Rubens geht nach Italien und studiert die großen Meister der italienischen Malerei und Architektur und die Werke der antiken Bildhauer. Er wird Hofmaler in Mantua und erhält wichtige Aufträge in Rom. Dennoch bleibt er nicht in Italien. Er reist wieder nach Antwerpen, um seiner sterbenden Mutter beizustehen, und entscheidet sich zu bleiben. Er wird Hofmaler in Brüssel, wohnt aber weiterhin in Antwerpen und erhält zahlreiche bedeutende Aufträge. Seine Italien-Erfahrungen bilden die Grundlage für seine neue, monumentale Malerei.
Adam Elsheimer, Jupiter und Merkur bei Philemon und Baucis, um 1608/09, Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden.
Michelangelo (Kopie), Leda, National Gallery, London.
Rubens, Leda mit dem Schwan, um 1598/1600.
Leda, die Ehefrau des Königs von Sparta, hatte sich nach einem Bad zur Ruhe gelegt. Heftig verliebt näherte sich ihr der Göttervater Zeus in Gestalt eines Schwans. Rubens schilderte die unterschiedlichen Körper in inniger Umarmung und lustvoller Hingabe. In den Metamorphosen des Ovid wird weiter berichtet, dass Leda daraufhin ein Ei gebar, dem die Zwillinge Kastor und Pollux entsprangen. Rubens orientierte sich für dieses frühe Werk an einem berühmten Vorbild von Michelangelo, das nicht mehr erhalten ist.
Rubens, Die Alte mit dem Kohlebecken, um 1616/18,.
Neue Sinnlichkeit
Rubens ist an der Sinnlichkeit der Malerei interessiert. Er studiert aufmerksam die Werke Caravaggios und anderer Niederländer, die sich Anfang der 17. Jahrhunderts in Italien aufhalten. Nachhaltigen Einfluss hat Adam Elsheimer.
m 1616/18: Die Alte mit dem Kohlebecken. Dieses Gemälde zeigt eine andere Seite von Rubens: nicht die große mythologische Bühne, sondern eine intime Szene mit starkem Hell-Dunkel und unmittelbarer Nähe. Die alte Frau, das glimmende Feuer und die Kinder verweisen auf Wärme, Alter, Bedürftigkeit und Alltagsnähe. Zugleich zeigt das Bild Rubens’ Interesse an Lichtwirkung und körperlicher Präsenz. Im Kontext seines Lebens fällt es in die Jahre höchster Produktivität, in denen er neben Altären und mythologischen Großbildern auch kleinere, eindringliche Bildmotive entwickelte.
Drama und Bewegung
Rubens ist an der Sinnlichkeit der Malerei interessiert. Er studiert aufmerksam die Werke Caravaggios und anderer Niederländer, die sich Anfang der 17. Jahrhunderts in Italien aufhalten. Nachhaltigen Einfluss hat Adam Elsheimer.
Um 1616–1618: Die Wildschweinjagd. Die Jagdszene gehört zu den dramatischen Bildtypen, mit denen Rubens europaweit berühmt wurde. Menschen, Hunde und Tierkörper prallen in einem Moment höchster Spannung aufeinander. Die Jagd ist nicht nur Naturereignis, sondern Bild der aristokratischen Energie, der Gefahr und der Beherrschung wilder Kräfte. Rubens’ Italienerfahrung zeigt sich in der Anatomie und im Pathos, seine Antwerpener Gegenwart in der Nachfrage höfischer und adeliger Auftraggeber nach solchen spektakulären Bildern.
Um 1613/14: Der trunkene Herkules. Dieses Bild gehört in die Phase kurz nach Rubens’ Rückkehr aus Italien und zeigt, wie entschieden er antike Themen in eine barocke Sprache überführt. Herkules, der klassische Tugendheld, erscheint nicht als unnahbarer Sieger, sondern als schwerer, schwankender Körper, geführt von Begleitfiguren. Das Motiv verbindet Gelehrsamkeit und Komik, heroischen Mythos und menschliche Schwäche. In Rubens’ Lebenslauf entspricht es der Zeit, in der er in Antwerpen seine italienischen Erfahrungen in eine neue, sinnliche Monumentalmalerei übersetzte.
Geschichten
Religion und Mythologie
Der fruchtbare Moment
Wie wird sie reagieren? Für den schwarzen Diener König Salomons könnte das Überbringen einer schlechten Nachricht unangenehme Folgen haben. Aber ihre Gelassenheit zeigt: kein Grund zur Sorge.
Kunst und Macht
Rubens arbeitet für Kirchen, Bürger und Fürsten. Er leitet eine große Werkstatt, die es ihm ermöglicht, viele Bilder in kurzer Zeit herzustellen. Es entstehen nicht nur Altäre für Kirchen, mythologische Bilder für Schlösser oder kleinere Gemälde für Bürger, sondern auch Arbeiten, die explizit der Verherrlichung von fürstlicher Macht dienen.
Street Art
1635 erhält Rubens den Auftrag für die Gestaltung des festlichen Einzugs von Kardinalinfant Ferdinand in Antwerpen. Er entwarf große Triumphtore, die die Straßen Antwerpens schmückten. Darauf angebracht waren Gemälde. Eines von ihnen zeigt Neptun, der das Meer beruhigt. Nach Ablauf der Feiern wurden die Tore und die Gemälde entsorgt. Nur das Dresdner Bild blieb erhalten.